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Faunauge in der Stadt der Nachtschatten #1 WGT-Anfänge

Nach einem Provisorium nun ein ansehnliches Outfit

Es war einmal…

… ein kleines Mädchen. Das lebte in einer florierenden Stadt, die jedes Jahr zur gleichen Zeit etwas mehr schwarz als den Rest des Jahres trug. Das Mädchen war zu dieser Zeit, nämlich zu Pfingsten, immer aufgeregt, denn ihr großer Bruder brachte viel der schwarzen Farbe mit nach Hause, um des nachts verwandelt auszufliegen. Als das Mädchen größer wurde, musste es von einem Tag auf den anderen eine große Verantwortung übernehmen. Denn sein Bruder hatte plötzlich keine Begleitung mehr für die Streifzüge im Dämmerlicht. Und so kam es, dass sich das kleine Mädchen im wunderschönen schwarzen Tüllrock und samtrotem Mieder, das ihm eine Zauberfee geschenkt hatte, wiederfand und mit seinem Bruder die schwarzen Schwingen ausbreitete und in die Pfingstnächte entschwand.

Erste Outfitsuche

Die ersten Schritte in die Welt der Nachtschatten liegen nun bereits dreizehn Jahre zurück. Damals war mein Kleiderschrank noch nicht gut ausgestattet mit schwarzen Stücken. Glücklicherweise fand sich unter ihnen aber zum einen noch das samtrote Mieder der „Zauberfee”. Ursprünglich war dieses Mieder für eine Schulaufführung genäht worden. Die Abschlussproduktion der Darstellendes-Spiel-Klasse war eine Collage, für die ich mit zwei Schulfreundinnen eine Vampirszene choreografierte. Das klingt nach Klischee, war es leider auch. Zum anderen besaß ich einen schwarzen Petticoat eines seidenblauen Tellerrocks sowie einen schlichten langen Rock. Beide wurden in eben jener Reihenfolge übereinander angezogen. Noch ein Shirt mit Carmenausschnitt und Spitze unter das Mieder, et voilá. Schließlich musste buchstäblich von einem Moment zum nächsten ein passendes Outfit gefunden werden.

Auf geht’s!

"Selbst gemacht?" - "Sicher!"
„Selbst gemacht?“ – „Sicher!“

An die Welt, die ich vorher nur von außen betrachtete und nun hautnah erlebte, gewöhnte ich mich sehr schnell. Ich fühlte mich äußerst wohl. Die schwarz gefüllten Straßen, Plätze und Cafés kannte ich ja schon. Aber die vollen Märkte, Konzerthallen und Stände faszinierten mich. Mit vielen Besuchern kam ich ins Gespräch. Berührungsängste gab und gibt es nicht. So guckte ich mir Schnitte ab und fand schnell heraus, dass ich Kopfschmuck für mich bestimmt selbst nähen könnte. Die Fülle an Stilen inspirierten mich zu neuen Outfits, die in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden sollten. Gekaufte Ansteckblumen wichen sehr bald dem ersten kleinen Dreispitz. Dass mich eine wunderschöne WGT-Besucherin, die wahrscheinlich viele Teile ihres Dresses selbst herstellte, ansprach und nach der Machart fragte, spornte mich zu weiteren Kreationen an.

© Faunauge